Damit der Pflegegrad einer pflegebedürftigen Person festgestellt werden kann, erfolgt die Pflegebegutachtung durch Gutachter:innen grundsätzlich durch eine umfassende persönliche Befunderhebung in dessen Wohnbereich (§ 18 Abs. 2 Satz 1 SGB XI). Doch derzeit ist alles anders.

 

So sehen die Vorgaben für die Gutachter:innen zur Pflegebegutachtung bis zum 31. März 2022 aus.

Bis zum 31. März 2022 ist es möglich, dass die Feststellung des Pflegegrades – besser gesagt die Feststellung der Pflegebedürftigkeit – ohne eine persönliche Pflegebegutachtung im Wohnbereich erfolgen kann. Das geht aber nur dann, wenn dies zum Schutz der Pflegebedürftigen vor einer Ansteckung mit dem SARS-CoV-2-Virus oder zum Schutz der Gutachter:innen vor einer Ansteckungsgefahr durch das SARS-CoV-2-Virus zwingend erforderlich ist.

Nur dann kann die Pflegebegutachtung anhand vorliegender Unterlagen und als strukturiertes Telefoninterview durchgeführt werden.

Im Dezember 2021 haben hierzu die Medizinischen Dienste mit dem GKV-Spitzenverband eigene Maßgaben erstellt. Diese gilt für die Medizinischen Dienste und den Medizinischen Dienst der privaten Kranken- und Pflegeversicherungsunternehmen (Medicproof).

 

Darauf ist zu achten!

Zum Schutz der Versicherten und auch der Gutachter:innen vor einer Infektion durch SARS-CoV-2 werden keine Pflegebegutachtungen im Wohnbereich durchgeführt, wenn folgende Konstellationen vorliegen:

  1. Akute bestätigte SARS-CoV-2-Infektion.
  2. Verdacht auf SARS-CoV-2-Infektion.
  3. Enger Kontakt gemäß RKI-Definition zu einer Person mit bestätigter SARS-CoV-2-Infektion.
  4. Unspezifische akute respiratorische Symptome (z. B. Husten, Schnupfen), Fieber, aktueller Verlust von Geruchs- und/oder Geschmackssinn.
  5. Rückkehr aus einem internationalen Hochrisikogebiet/Virusvariantengebiet4 mit Quarantänefolge.
  6. Angeordnete/empfohlene Quarantäne bei Abklärung auf SARS-CoV-2-Infektion.

 

Versicherte sind zu schützen

Bei Risikogruppen für schwere Krankheitsverläufe ist zu prüfen ob überhaupt die Begutachtung im Wohnbereich stattfinden sollte.

Keine Untersuchung im Wohnbereiche, bei Personengruppen mit besonders hohem Risiko.

Dazu zählen Personen mit:

  • geschwächtem Immunsystem, beispielweise
    • aufgrund einer Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht wie onkologische Erkrankungen mit Strahlen- oder Chemotherapie, Zustand nach Organtransplantation,
    • durch die regelmäßige Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr beeinflussen und herabsetzen können, wie z. B. höherdosierte Cortisontherapie, Chemotherapie
  • fortgeschrittener chronischer Herz- oder Lungenerkrankung, z. B.
    • chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) mit Langzeitsauerstofftherapie,
    • Herzinsuffizienz (NYHA-Stadium III oder IV)
  • fortgeschrittener neurologischer Erkrankung, beispielsweise
    • neuromuskuläre und muskuläre Erkrankung wie z. B. Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), Muskeldystrophien oder Myasthenie
    • Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie z. B. Multiple Sklerose, Querschnittslähmung oder schwere Schlaganfälle, insbesondere mit ausgeprägten Paresen, Schädigung der Schluck- und Atemfunktion
  • dialysepflichtiger Niereninsuffizienz

 

Allerdings ist für die individuelle Beurteilung des Infektionsrisikos die Diagnose nicht alleine entscheidend. Der Schweregrad der Erkrankung, die Medikation, der Therapieerfolg, mögliche Folgeerkrankungen, Dauer und auch der Verlauf der Erkrankung sowie mögliche Komorbiditäten müssen berücksichtigt werden.

Sollten die pflegebedürftigen Personen eine vollständige COVID-19-Schutzimpfung erhalten haben, oder sie sind genesen, dann kann auch im Wohnbereich die Begutachtung durchgeführt werden. Die bei der Begutachtung anwesenden An- und Zugehörigen sind ebenfalls in die Abwägung der Begutachtungsart vom Gutachter, der Gutachterin zu berücksichtigen. Auch ist der Wunsch der pflegebedürftigen Person – ob eine Begutachtung im Wohnbereich stattfinden soll, oder auch nicht stattfinden soll – hierbei zu berücksichtigen.

In internationalen Hochrisikogebieten/Virusvariantengebieten nach dem Robert Koch-Institut (RKI) werden keine persönlichen Untersuchungen im Wohnbereich durchgeführt.

Weiterhin haben die Gutachter:innen geltende gesetzliche Bestimmungen auf Bundes- und Landesebene zu beachten.

Quellen:

Stand: 7.1.2022

 

Pflegende Angehörige, der größte Pflegedienst überhaupt.

 

Wer seine Rechte kennt, der findet Entlastung.

Entlassmanagement Krankenhaus

 

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