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 9.4.2019 von 17.00 – 17.30 Uhr

17.9.2019 von 17.00 – 17.30 Uhr

Zweitmeinung, es gibt viele Möglichkeiten

Jede Patientin und jeder Patient hat in Deutschland die Möglichkeit, eine zweite ärztliche Meinung einzuholen. Wie viele von diesem Recht Gebrauch machen, und welche Auswirkungen eine zweite Meinung auf die eingeleitete Therapie hat, das ist abzuwarten. Krankenkassen schließen mittlerweile Verträge mit ausgewählten Ärzten. So vermittelt beispielsweise die Barmer GEK den Patienten zu einem Knie-Spezialisten. Der Zweitmeinungs-Experte ermöglicht in der Regel binnen 14 Tagen den Termin, sichtet bisherige Befunde und Therapieempfehlungen und berät den Betroffenen über Behandlungsoptionen. Eine weitere Möglichkeit ist, dass Krankenkassen das Zweitmeinungsverfahren als Satzungsleistungen auf der Grundlage von Verträgen zur integrierten Versorgung (IV) aufnehmen. Das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz hat u.a. festgelegt, dass eine Zweitmeinung in der Regel 10 Tage vor dem geplanten Eingriff erfolgen soll. Die Zweitmeinung darf nicht in der Einrichtung eingeholt werden, in der der Eingriff vorgenommen werden soll.

Welches Ziel soll damit verfolgt werden? Zum einen sollen die Patienten ausreichend Bedenkzeit haben bevor sie einen planbaren Eingriff durchführen lassen, zum anderen, und das ist politischer Wille, sollen Kosten eingespart werden.

 

Zweitmeinung ist nicht gleich zweite Meinung

Auf dem Deutschen Krebskongress wurde darüber diskutiert, dass nicht jeder unter Zweitmeinung das Gleiche versteht. Wenn sich ein Patient persönlich vorstellt, um eine zweite Meinung von einem Facharzt zu hören oder wenn nach „Aktenlage“ eine zweite Meinung durch Experten abgegeben wird? Und was ist mit den Expertenkonsilen? Wo Ärzte z.B. Kollegen anfragen? Laut Prof. Marc Schrader, Chefarzt der Klinik für Urologie am Helios Klinikum Berlin-Buch, sind die Anfragen von Ärzten stetig gestiegen. Er schilderte, dass „jede sechste Zweitmeinung zu einer relevanten Therapieänderung führte. Die Zweitmeinungen hätten in zwölf Prozent der Fälle den Therapieumfang reduziert und ihn in etwa fünf Prozent intensiviert. „Der Effekt ist nicht unerheblich.“  Dennoch ist es wichtig, dass die Patienten nicht verunsichert werden, insbesondere dann, wenn die erste Meinung von der Zweitmeinung abweicht.

Online-Sprechstunden wären eine gute Alternative zum Arztgespräch in der Praxis. Allerdings müssen sich diese in Deutschland an das jeweils geltende Berufsrecht der Ärzte orientieren. Eine abschließende Diagnose darf nur in der Arztpraxis erstellt werden. Die Schweizer sind da schon etwas weiter. Es gibt ein medizinisches Callcenter und Telemedizinzentrum indem medizinische Telefon- und Internetberatung mit speziell geschulten Ärzten durchgeführt werden. Selbst Apotheker können sich zuschalten und eine gemeinsame Beratung findet dort mit dem Patienten statt. Lange Warte- und Wegezeiten lassen sich dadurch ggfs. sparen.

Schade, wenn die zweite Meinung nur für wenige Eingriffe vorgesehen ist. Gut wäre das Zweitmeinungsverfahren z.B. auch für ständig ansteigende operative Eingriffe, wie der Knie-Tep.

Das Positionspapier der Deutschen Krebsgesellschaft finden Sie hier 06072015_Positionspapier_Zweitmeinung

 

G-BA Richtlinie Zweitmeinung ist da!

Bereits im Februar 2016 wurde über das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz und die Aufforderung an den G-BA eine Richtlinie zur Zweitmeinung zu erstellen, berichtet. Ende September 2017 liegt nun der Beschluss zum Zweitmeinungsverfahren in der Erstfassung vor. Der G-BA hat nun in seiner Richtlinie (Zm-RL) das Verfahren festgelegt, diese ist seit dem 8.12.2018 in Kraft getreten.

 

Zu diesen planbaren Eingriffen ist die Zweitmeinung vorgesehen:

  • Mandeloperationen (Tonsillektomie, Tonsillotomie)
  • Gebärmutterentfernungen (Hysterektomien)

 

Zweitmeinungsverfahren, das steht im Fokus

Bei der Tonsillektomie/Tonsillotomie ist jeweils Gegenstand des Zweitmeinungsverfahrens die Indikationsstellung bei allen nicht malignen Erkrankungen.

Bei der Hysterektomie umfasst der Eingriff auch die Uterusexstirpationen, die als totale oder subtotale Hysterektomie durchgeführt werden kann. Auch hier ist die Indikationsstellung der Hysterektomie bei allen nicht malignen Erkrankungen des Uterus mit gemeint.

 

Von wem darf die Zweitmeinung erbracht werden?

Zur Erbringung einer Zweitmeinung dürfen nach der Zm-RL die Leistung erbringen:

  1. zugelassene oder ermächtigte Ärzte,
  2. nicht an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmende Ärzte, die nur zu diesem Zweck an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen, oder
  3. an ermächtigen Einrichtungen, zugelassenen medizinischen Versorgungszentren oder zugelassenen Krankenhäusern tätige Ärzte

 

Zuallererst benötigen alle Ärzte, die am Zweitmeinungsverfahren teilnehmen möchten, eine Genehmigung ihrer Kassenärztlichen Vereinigung. Die Ärzte müssen:

  • die Anerkennung einer Facharztbezeichnung in dem für den jeweiligen Eingriff festgelegten Fachgebiet und
  • eine mindestens 5-jährige ganztägige oder vom Umfang her entsprechende Teilzeittätigkeit in der unmittelbaren Patientenversorgung nach Anerkennung der maßgeblichen Facharztbezeichnung,
  • die Erfüllung der Fortbildungsverpflichtungen und
  • eine erteilte Befugnis zur Weiterbildung oder eine akademische Lehrbefugnis.

Bei der Tonsillektomie/Tonsillotomie darf dies somit der Facharzt der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Bei der Hysterektomie dürfen dies Fachärzte der Frauenheilkunde und Geburtshilfe

 

Wie erfolgt die Zweitmeinung, was ist zu berücksichtigen

Der Arzt muss die Patienten über das Recht, eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung einholen zu können, mündlich aufklären. Diese Aufklärung hat in der Regel mindestens 10 Tage vor dem geplanten Eingriff zu erfolgen, so hat es der Gesetzgeber vorgesehen, denn die Patienten sollen wohlüberlegt ihre eigene Entscheidung treffen können. Der Arzt hat grundsätzlich auf die Informationsangebote über geeignete „Zweitmeiner-Ärzte“ hinzuweisen. Zu beachten ist dabei, dass die Zweitmeinung nicht bei einem Arzt bzw. einer Einrichtung durchgeführt werden darf, durch die der Eingriff durchgeführt werden soll. Der Arzt hat dem Patienten ein Patientenmerkblatt auszuhändigen. Auch die Befundunterlagen sind dem Patienten auf Wunsch mitzugeben. Die hierfür entstandenen Kosten des Arztes trägt in diesem Fall die Krankenkasse.

 

Informationsplattform hilft bei der Auswahl des Zweitmeiner-Arztes

Die KVen und die Landeskrankenhausgesellschaften informieren über die für das Zweitmeinungsverfahren zur Verfügung stehenden  Zweitmeiner-Ärzte über eine frei zugängliche Informationsplattform.

Hier geht´s zur >>> Übersicht 

 

Der Zweitmeiner-Arzt

Der Zweitmeiner-Arzt soll in einem persönlichen Gespräch den Patienten in Bezug auf die empfohlene und mögliche Therapie- oder Handlungsalternative so informieren und beraten, dass der Patientin selber eine Entscheidung treffen kann. Dabei bezieht er die die ihm zur Verfügung gestellten Befunde mit ein. Evtl. empfiehlt er weitere Untersuchungen. Der Patient kann einen ärztlich zusammenfassenden Bericht auf Wunsch erhalten. Der Bericht soll auf die eingriffsspezifische Entscheidungshilfe und gegebenenfalls auf weitere evidenzbasierte Informationen Bezug nehmen. Es können ggfs. auch telemedizinische Möglichkeiten genutzt werden.

Mit Zustimmung des Patienten wird der Arzt über das Ergebnis der Zweitmeinung informiert.

 

Vergütung

  • „Erstmeiner“: Der Arzt, der die Indikation für einen der definierten Eingriffe stellt, kann für die Aufklärung und Beratung im Zusammenhang mit dem ärztlichen Zweitmeinungsverfahren die Gebührenordnungsposition (GOP) 01645 einmal im Krankheitsfall (vier Quartale) abrechnen. Sie ist mit 75 Punkten (8,12 Euro) bewertet. Die Leistung beinhaltet auch die Zusammenstellung aller erforderlichen Unterlagen für den Patienten
  • „Zweitmeiner“: Die Abrechnung der Zweitmeinung ist im neuen Abschnitt 4.3.9 „Ärztliche Zweitmeinung“ im Allgemeinen Teil des EBM geregelt. Danach rechnet der Arzt, der die Zweitmeinung abgibt, für den Patienten seine jeweilige arztgruppenspezifische Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale ab. Sind für seine Beurteilung ergänzende Untersuchungen notwendig, kann er diese ebenfalls durchführen, muss sie aber medizinisch begründen.
  • Extrabudgetäre Vergütung: Die Vergütung erfolgt für alle Leistungen extrabudgetär – befristet bis Ende 2021.
  • Kennzeichnung: Ärzte müssen alle Leistungen des Zweitmeinungsverfahrens bei der Abrechnung nach bundeseinheitlichen Vorgaben eingriffsspezifisch kennzeichnen. Die genauen Regelungen werden derzeit noch abgestimmt.“ Quelle KBV

 

Stand 7.7.19 Quellen: G-BA und KBV 

Wann eine Zweitmeinung sinnvoll ist? Kann z.B. >>> hier nachgelesen werden. 

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