Mittlerweile gibt es einige planbare Eingriffe, zu denen Patienten ein Recht auf eine ärztliche Zweitmeinung haben. Wer das darf und wie es geht?

Jede Patientin und jeder Patient hat in Deutschland die Möglichkeit, eine zweite ärztliche Meinung einzuholen. Wie viele von diesem Recht Gebrauch machen, und welche Auswirkungen eine zweite Meinung auf die eingeleitete Therapie hat, das ist abzuwarten. Krankenkassen schließen mittlerweile Verträge mit ausgewählten Ärzten. So vermittelt beispielsweise die Barmer GEK den Patienten zu einem Knie-Spezialisten. Der Zweitmeinungs-Experte ermöglicht in der Regel binnen 14 Tagen den Termin, sichtet bisherige Befunde und Therapieempfehlungen und berät den Betroffenen über Behandlungsoptionen. Eine weitere Möglichkeit ist, dass Krankenkassen das Zweitmeinungsverfahren als Satzungsleistungen auf der Grundlage von Verträgen zur integrierten Versorgung (IV) aufnehmen. Das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz hat u.a. festgelegt, dass eine Zweitmeinung in der Regel 10 Tage vor dem geplanten Eingriff erfolgen soll. Die Zweitmeinung darf nicht in der Einrichtung eingeholt werden, in der der Eingriff vorgenommen werden soll.

Welches Ziel soll damit verfolgt werden? Zum einen sollen die Patienten ausreichend Bedenkzeit haben bevor sie einen planbaren Eingriff durchführen lassen, zum anderen, und das ist politischer Wille, sollen Kosten eingespart werden.

 

Zweitmeinung ist nicht gleich zweite Meinung

Auf dem Deutschen Krebskongress wurde darüber diskutiert, dass nicht jeder unter Zweitmeinung das Gleiche versteht. Wenn sich ein Patient persönlich vorstellt, um eine zweite Meinung von einem Facharzt zu hören oder wenn nach „Aktenlage“ eine zweite Meinung durch Experten abgegeben wird? Und was ist mit den Expertenkonsilen? Wo Ärzte z.B. Kollegen anfragen? Laut Prof. Marc Schrader, Chefarzt der Klinik für Urologie am Helios Klinikum Berlin-Buch, sind die Anfragen von Ärzten stetig gestiegen. Er schilderte, dass „jede sechste Zweitmeinung zu einer relevanten Therapieänderung führte. Die Zweitmeinungen hätten in zwölf Prozent der Fälle den Therapieumfang reduziert und ihn in etwa fünf Prozent intensiviert. „Der Effekt ist nicht unerheblich.“  Dennoch ist es wichtig, dass die Patienten nicht verunsichert werden, insbesondere dann, wenn die erste Meinung von der Zweitmeinung abweicht.

Online-Sprechstunden wären eine gute Alternative zum Arztgespräch in der Praxis. Allerdings müssen sich diese in Deutschland an das jeweils geltende Berufsrecht der Ärzte orientieren. Eine abschließende Diagnose darf nur in der Arztpraxis erstellt werden. Die Schweizer sind da schon etwas weiter. Es gibt ein medizinisches Callcenter und Telemedizinzentrum indem medizinische Telefon- und Internetberatung mit speziell geschulten Ärzten durchgeführt werden. Selbst Apotheker können sich zuschalten und eine gemeinsame Beratung findet dort mit dem Patienten statt. Lange Warte- und Wegezeiten lassen sich dadurch ggfs. sparen.

Schade, wenn die zweite Meinung nur für wenige Eingriffe vorgesehen ist.

Das Positionspapier der Deutschen Krebsgesellschaft finden Sie hier 06072015_Positionspapier_Zweitmeinung

 

G-BA Richtlinie Zweitmeinung ist da!

Bereits im Februar 2016 wurde über das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz und die Aufforderung an den G-BA eine Richtlinie zur Zweitmeinung zu erstellen, berichtet. Ende September 2017 liegt nun der Beschluss zum Zweitmeinungsverfahren in der Erstfassung vor. Der G-BA hat nun in seiner Richtlinie (Zm-RL) das Verfahren festgelegt, diese ist seit dem 8.12.2018 in Kraft getreten.

Es findet eine ständige Anpassung an Regelwerken zu unterschiedlichen Eingriffen, zu denen eine Zweitmeinung eingeholt werden kann, statt.

 

Zu diesen planbaren Eingriffen ist die Zweitmeinung vorgesehen:

  • Mandeloperationen (Tonsillektomie, Tonsillotomie)
  • Gebärmutterentfernungen (Hysterektomien)
  • Implantationen einer Knieendoprothese
  • geplante Schulterarthroskopie

 

Vergütung der Ärzte

  • „Erstmeiner“: Der Arzt, der die Indikation für einen der definierten Eingriffe stellt, kann für die Aufklärung und Beratung im Zusammenhang mit dem ärztlichen Zweitmeinungsverfahren die Gebührenordnungsposition (GOP) 01645 einmal im Krankheitsfall (vier Quartale) abrechnen. Sie ist mit 75 Punkten (8,12 Euro) bewertet. Die Leistung beinhaltet auch die Zusammenstellung aller erforderlichen Unterlagen für den Patienten
  • „Zweitmeiner“: Die Abrechnung der Zweitmeinung ist im neuen Abschnitt 4.3.9 „Ärztliche Zweitmeinung“ im Allgemeinen Teil des EBM geregelt. Danach rechnet der Arzt, der die Zweitmeinung abgibt, für den Patienten seine jeweilige arztgruppenspezifische Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale ab. Sind für seine Beurteilung ergänzende Untersuchungen notwendig, kann er diese ebenfalls durchführen, muss sie aber medizinisch begründen.
  • Extrabudgetäre Vergütung: Die Vergütung erfolgt für alle Leistungen extrabudgetär – befristet bis Ende 2021.
  • Kennzeichnung: Ärzte müssen alle Leistungen des Zweitmeinungsverfahrens bei der Abrechnung nach bundeseinheitlichen Vorgaben eingriffsspezifisch kennzeichnen. Die genauen Regelungen werden derzeit noch abgestimmt.“ Quelle KBV

 

Quellen: G-BA und KBV 

Wie der Ablauf ist und wo man sich näher informieren kann, erfährt man im Webinar. Es ist keine ärztliche Meinung oder Begutachtung!

 

Webinar: Zweite Arztmeinung vor Operationen für Versicherte